„Stadt zum Leben“ markiert eine neue Ära der Anlage und Gestaltung öffentlicher Räume, in der der Komfort jedes einzelnen Menschen zum wichtigsten Qualitätsmaßstab des Raums wird.
Im Herzen der Hauptstadt, dort, wo neue Quartiere aufeinandertreffen, vollzieht sich eine großmaßstäbliche städtebauliche Transformation. Auf 32 Hektar ehemaliger Industriefläche entsteht eine moderne Umgebung, in der der Mensch an erster Stelle steht.
Dieses Pilotprojekt setzt neue Standards für die Anlage und Gestaltung des öffentlichen Raums in ganz Moskau. Auf Initiative der Regierung wird ein ganzer Stadtteil zu einem lebendigen Labor, in dem neue Lösungen erprobt und umgesetzt werden – mit Blick auf die Lebensqualität der Stadtbewohner, Umwelt und technologische Innovation.
Die Leitidee lautet: Luft und innerer Zustand. Wir planen eine Umgebung, in der sich der Mensch selbst bei dichter städtischer Bebauung frei und im Einklang mit sich selbst und seiner Umgebung fühlen kann.
Ein einheitlicher Gestaltungscode verbindet die gesamte Vielfalt des Areals: von Boulevards und Radwegen bis zu Haltestellen des öffentlichen Verkehrs und unsichtbarer technischer Infrastruktur. Großformatige beige Pflasterflächen werden von Messingakzenten durchzogen wie vom Widerschein eines Sonnenuntergangs auf Stadtstraßen. Pavillons mit Gründächern ergänzen die Landschaft und schaffen zusätzliche Ebenen; auf ihnen wachsen echte Bäume und bringen Natur in den urbanen Raum zurück. „Smarte“ Haltestellen mit Heizung und Steckdosen erleichtern den Alltag im Rhythmus der Großstadt. Von Pflanzen umrankte parametrische Konstruktionen mildern die Strenge der Architektur durch lebendige Texturen. So entsteht eine moderne europäische Stadt neuen Typs. Ein Gestaltungsniveau, das bislang vor allem hochwertigen Wohnanlagen vorbehalten war, wird in den öffentlichen Stadtraum übertragen – für alle.
Die Begrünung übernimmt zentrale Funktionen: Sie schützt vor Lärm, Staub und Autoabgasen, trennt Verkehrs- und Fußgängerströme und schafft geschützte grüne Inseln mitten in der Metropole. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Pflanzenauswahl. Verwendet werden große, robuste Bäume und Sträucher, die mit Luftverschmutzung, Streusalz und winterlichen Bedingungen zurechtkommen. Rasenflächen wurden zugunsten von Stauden und Sträuchern auf ein Minimum reduziert und geben dem Stadtraum ein natürlicheres, lebendigeres Erscheinungsbild. Vier Begrünungstypen sind an unterschiedliche Standortbedingungen angepasst – von sonnigen, straßenfernen Bereichen bis zu schattigen Flächen unmittelbar an der Fahrbahn.
Infrastrukturelemente wie Lüftungsschächte, Informationstafeln und Abfallbehälter sind mit großer Präzision in die Gesamtästhetik integriert. An Kreuzungen ersetzen LED-Stelen die üblichen Werbebanner; stilisierte Schaukeln und Bänke laden zum Innehalten und Ausruhen ein.
Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit der staatlichen Einrichtung „Avtomobilnyje Dorogi“ entwickelt, die das Areal später betreiben und pflegen wird – gewissermaßen als dessen „Hüter“. Dafür war ein ausgewogenes Verhältnis zwischen ambitionierter Gestaltung und praktischer Nutzbarkeit, zwischen Ästhetik und Langlebigkeit erforderlich.
„Stadt zum Leben“ steht für den Mut zur Veränderung. Der Stadtraum ist nicht länger nur Kulisse des Lebens, sondern wird zu seiner Fortsetzung. Qualitätskriterien sind nicht Fläche oder Bebauungsdichte, sondern der innere Zustand des Menschen, seine Freiheit, den Moment zu spüren, und die Möglichkeit, mitten in der Metropole von Natur umgeben zu sein.